18.02.2011

von B° MS

In Schrebers Garten

Schauspiel von Klaas Huizing am Mainfranken Theater - in Kooperation mit dem Saarländischen Staatstheater

Uraufführung: 19. Februar 2011 | 19.30 Uhr | Mainfranken Theater Würzburg | Großes Haus

"Ich habe ein großes Faible für Menschen, die auf der Grenze leben, für alle Grenzverletzer und Grenzverschieber - für den bibilomanen Totschläger Tinius, seines Zeichens Pastor, für den verklemmten Freund Kants, den Philosophen Johann Georg Hamann, für den verdrucksten Verführer Sören Kierkegaard, für die Märtyrerin der Romantik, Jette Herz, oder für den überspannten Schreber. Auf den ersten Blick sind es kaputte Biographien, aber sieht man genauer hin, dann erkennt man, wie sie mit großer Anspannung ihr Selbst nicht zerbröckeln lassen, wie sie kämpfen, um dem zugefügten Schmerz einen Sinn abzulauschen.", so Klaas Huizing über seine Entscheidung  den Roman "In Schrebers Garten" zu verfassen. 

In einem assoziativen Bühnenraum, der einen in die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts zurück versetzt, entwickelt Bernhard Stengele Klaas Huizings Stück zu einer düsteren und absurden Textlandschaft, die aus der Perspektive Paul Schrebers erzählt wird. Auf diese Weise ermöglicht die Inszenierung einen direkten Einblick in die Gedankenwelt Pauls, die durch die rigiden Begegnungen mit seinem Vater dominiert wird. Der Zuschauer wird zum Zeugen von Pauls aufregendem Versuch sich aus der Bevormundung seines Vaters zu befreien und eine Form selbstbestimmten Lebens für sich zu (er-) finden.

Klaas Huizing ist Professor für evangelische Theologie an der Universität Würzburg und Chefredakteur des Kulturmagazins OPUS. Er lebt in Würzburg und Saarbrücken. Neben die Romane "Der letzte Dandy" (2003) und "Frau Jette Herz" (2005) veröffentlichte er 2008 sein Roman "In Schrebers Garten". Darin erzählte Klaas Huizing Paul Schrebers Lebensgeschichte. In einer Bearbeitung des Autors gelangt der Erfolgsroman nun als Bühnenstück zur Uraufführung.

 

Inszenierung:   Bernhard Stengele
Musikalische Leitung:  Katia Bouscarrut
Bühne und Kostüme:  Gesine Pitzer
Dramaturgie:   Kai Tuchmann

 

Dr. Moritz Schreber, Orthopäde / Pädagoge:    Georg Zeies
Mutter Else Schreber:    Maria Brendel
Dr. Gustav Schreber, ältester Sohn:  Klaus Müller-Beck
Dr. Paul Schreber, jüngster Sohn:  Christian Taubenheim
Sabine Schreber, Pauls Ehefrau:  Christina Theresa Motsch
Sidonie:     Katia Bouscarrut a. G.
Anne Sophie, Pensionatsschülerin:  Milena Ivanova a. G.
Dr. Paul Weber, Anstaltsleiter:  Rainer Appel
Graf von Leutstetten und Wackermark:  Anna Sjöström
Der Schlaf:     Issaka Zoungrana
Georg Zeies:    Stimme
Perlenpresserin:    Anna Sjöström
Christian Taubenheim:    Stimme
Klavier:     Katia Bouscarrut a. G.
Cello:      Milena Ivanova a. G.

 

Klaas Huizing, 1958, ist Professor für Systematische Theologie in Würzburg, unter anderem Mitglied im P.E.N. Er veröffentlichte bisher 10 Monographien und 10 Romane wie zum Beispiel "Der Buchtrinker", "Das Ding an sich", "Der letzte Dandy", "Frau Jette Herz", "In Schrebers Garten", die in viele Sprachen übersetzt wurden.

Bernhard Stengele studierte bei Beatrice Camargo in Düsseldorf das Körperalphabet von Jerzy Grotowksi, balinesisches Maskenspiel und rituelles Theater. Dann folgte er einer Einladung nach Paris, wo er bei Monika Pagneux und Philipp Gaullier lernte, was in England und Frankreich als physical theatre movement bekannt wurde. Dort traf er auch auf eines seiner großen Vorbilder Peter Brook. Zurück in Deutschland spielte er für Kinder und Jugendliche und sammelte erste Regieerfahrungen. Gastspiele führten ihn nach Leipzig, Leningrad und Moskau. Er arbeitete als Sprecher für Rias Berlin, später für Arte und erweiterte seinen Horizont beim Tanztheater Skoronel.

Als Schauspieler kam er 1992 als festes Ensemblemitglied ans Stadttheater Konstanz. Legendär ist sein Black Rider von Robert Wilson und das Kultstück Kunst von Yasmina Reza, das er mit seinen Kollegen Bernd Braun und Thomas Kügel über 100 Mal in Konstanz aufführte.

Als nächste Station folgte 1996 das saarländische Staatstheater in Saarbrücken, wo er unter anderem als Baal und Mercutio zu sehen war. Für die Interpretation des Macbeth erhielt er dort den Darstellerpreis der Sponsoren und nahm seine Regiearbeit wieder auf. Mit Warten auf Godot wurde seine erste Regieproduktion nach Georgien eingeladen. Intendantin Dagmar Schlingmann holte ihn 1999 wieder nach Konstanz, wo er unter anderem "Struwwelpeter", Was der Butler sah", "Hamlet", "Romeo und Julia", "Indien" und "Cyrano" inszenierte und in der "Orestie", "Lola Blau", den "Sommergästen" und "Effi Briest" selbst auf der Bühne stand. Einer von Kind an gehegten Leidenschaft für Gedichte und Lieder folgte er mit der Realisierung zweier Balladenprogramme "Sie haben nämlich Entenfüße" (www.entenfuesse.de) und "Hinter tausend Stäben" (www.tausend-staebe.de) die beide auch als CD vorliegen. Für seine Lyrikprogramme wurde er im Oktober 2007 mit dem Sprachbewahrerpreis 2007 ausgezeichnet.

Seit der Spielzeit 2004/2005 ist er Schauspieldirektor am Mainfranken Theater Würzburg und führte dort Regie in Schillers "Wilhelm Tell", Becketts "Endspiel" und Marivauxs "Triumph der Liebe". Im Mai 2005 inszenierte er mit Thilo Refferts "Riesending von Pringewitz" seine erste Uraufführung am Saarländischen Staatstheater.
In der Spielzeit 05/06 stand er als König Ödipus in Sophokles "Ödipus, Tyrann" (Regie: Stephan Suschke) selbst als Schauspieler auf der Bühne und führte Regie in "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach und in Sarah Kanes "4.48 Psychose". Ferner war er Mitautor und Regisseur in der POPerette "Singles.

In der Spielzeit 2006/2007 führte er in den Produktionen "Nora oder ein Puppenheim" von Henrik Ibsen, dem Weihnachtsmärchen "Die Zaubertrommel" von Johnny Lamprecht und in Goldonis Komödie "Diener zweier Herren" Regie. Ferner stand er im Lyrikprogramm "Das Zwischenstück mit dem Feigenblatt" neben Anne Simmering und Paul Amrod in den Kammerspielen erfolgreich auf der Bühne.

Als Regisseur eröffnete die Spielzeit 2007/08 mit Büchners "Dantons Tod" und inszenierte als Gastregisseur für das Saarländische Staatstheater Saarbrücken "Die Zaubertrommel" und das Musical "Jekyll und Hyde" von Frank Wildhorn. Ferner war er mit "Deutschland. Ein Wintermärchen" in seiner Hommage an seinen Lieblingsdichter Heinrich Heine in den Kammerspielen wieder selbst auf der Bühne zu sehen und führte im Diplomstück der beiden Schauspieleleven, "Disco Pigs" von Enda Walsh, Regie.Im Juni 2008 folgte im Rahmen des Mozartfestes Würzburg mit Mozarts "Cosi´ fan tutte" sein Regiedebüt im Opernfach.

Die Spielzeit 2008/09 eröffnete er mit Schillers "Die Räuber" und führte am auch in der zweiten Schillerproduktion der Spielzeit "Der Parasit" Regie. Ferner war er in Brechts "Dreigroschenoper" (Regie: Stephan Suschke) als Macheath wiederum als Schauspieler zu erleben und stand als Teil des Then-Quartetts mit "Deutschland. Ein Wintermärchen", was in dieser Spielzeit wieder aufgenommen wird, auf der Bühne der Kammerspiele.

Als Regisseur war er in der vergangenen Spielzeit in Aischylos "Orestie" mit den "Choephoren" tätig. Ferner inszenierte er die Musical-Uraufführung "Goscior - der Zwischenweltler" und die Oper von Richard Strauss "Der Rosenkavalier".

In der Spielzeit 2010/11 ist Bernhard Stengele künstlerischer Leiter für die Uraufführung "First Cut". Zu seinen Inszenierungen der aktuellen Spielzeit zählen zudem das Weihnachtsmärchen "Pippi Langstrumpf" sowie Aristophanes’ "Die Vögel".


Katia Bouscarrut wurde in Bordeaux, Frankreich, geboren. Sie studierte an der Hochschule für Musik Würzburg in der Klasse von Prof. Silke Thora Matthies und an der Indiana University in Bloomington bei Prof. Leonard Hokanson Klavier und Liedbegleitung. Die mit Preisen und Stipendien ausgezeichnete Pianistin konzertiert international als Solistin, ist eine gefragte Kammermusikpartnerin und Liedbegleiterin und gastiert regelmäßig auf diversen Musikfestivals. Rundfunkaufnahmen und CD- Einspielungen dokumentieren ihre pianistische Laufbahn. Als Komponistin von Bühnenmusik, Partnerin in Balladen- und Liederabenden, als Pianistin und musikalische Leiterin war sie bereits in zahlreichen Theaterproduktionen am Mainfranken Theater Würzburg zu erleben. Seit mehreren Jahren unterrichtet Katia Bouscarrut an der Hochschule für Musik Würzburg die Fächer Klavier und Liedbegleitung.

Nach einem abgeschlossenen Hochschulstudium in Germanistik und einem Bühnenbildstudium an der Kunstakademie in Stuttgart bei Jürgen Rose und Martin Zehetgruber schloss Gesine Pitzer noch ein Aufbaustudium für Intermediales Gestalten an. Schon während ihres Studiums arbeitete sie als Museumspädagogin in unterschiedlichen Kunstgalerien unter anderem Staatsgalerie Stuttgart sowie Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen und wirkte in der freien Stuttgarter Theaterszene mit zum Beispiel "Unica" am Theater Rampe in der Regie von Fabian Chyle. Von 2005  bis 2007 war sie als Produktionsassistentin und Ausstatterin am Mainfranken Theater Würzburg festangestellt. In der Spielzeit 2007/08 gestaltete sie am Würzburger Dreispartenhaus als freischaffende Kostüm- und Bühnenbildnerin unter anderem den Raum zu "Dantons Tods" (Regie: Bernhard Stengele), übernahm die Ausstattung von "Ella" (Regie: Corinna Preisberg), Bühne und Kostüme zu "Ronja Räubertochter" und die Kostüme zur romantischen Oper von Heinrich Marschner "Der Vampyr" (Regie: Stephan Suschke). In der Spielzeit 08/09 folgten am Mainfranken Theater die Ausstattung zu "Kalif Storch" (Regie: Corinna Preisberg) und die Kostüme zur "Dreigroschenoper" (Regie: Stephan Suschke).

An der Württembergischen Landesbühne Esslingen zeichnete sie sich für die Ausstattung des Kinderstückes "Ursel" (Regie: Heidrun Warmuth) verantwortlich. In der Spielzeit 2009/10 entwarf sie die Kostüme zu "Dürfen die das?" am Staatstheater Stuttgart (Regie: Corinna Preisberg). Ihre Arbeit für Schauspiel, Tanztheater und Kindertheater führte sie an Häuser wie das Staatstheater Stuttgart, wo sie die Kostüme zu "Dürfen die das?" (Regie: Corinna Preisberg) entwarf. An die Württembergische Landesbühne Esslingen  war sie für die Ausstattung zu den Kinderstücken "Ursel" (Regie: Heidrun Warmuth) und  "Pinocchio", (Regie: Marco Süss) verantwortlich und ans Theaterhaus Stuttgart kreierte sie die Ausstattung für das Tanztheaterprojekt "Ich nicht ich" (Choreografie: Fabian Chyle).

 

Begleitende Veranstaltungen


Vom Wahn in der Literatur
Lesung aus Klaas Huizings Roman "In Schrebers Garten"

04. und  18. März 2011, 20.00 Uhr, Kammerspiele

Ein schwüler Nachmittag im Sommer, Feldweg: Irgendwo in der Peripherie Berlins fällt ein Mann rücklings zwei Kinder an, schlägt sie tot und singt dazu Luthers "Eine feste Burg ist unser Gott". Verklärend romantisch erzählt der Expressionist Georg Heym vom Wahnsinn. Der Einzelne im Kampf mit der Welt, die er nicht und sie ihn nicht versteht. Franz Kafka schreibt an einen Freund, er habe die Erzählung "Das Urteil" in nur einer Nacht geschrieben, im produktiven ‚Wahn‘ förmlich erbrochen. Paul Celan an Ingeborg Bachmann: "In den nächsten Wochen erscheint ein neuer Gedichtband… Das Dokument einer Krise, wenn Du willst – aber was wäre Dichtung, wenn sie nicht auch das wäre, und zwar radikal?" Leidensdruck als Triebfeder für den künstlerischen Prozess, die Untrennbarkeit von Genie und Wahnsinn – ein Klischee, das nicht zuletzt von vielen Dichtern selbst befördert wurde. Andere Literaten haben sich eher darauf konzentriert den Wahnsinn der Welt, in der sie leben, zu diskutieren.

In den Kammerspielen lesen wir anlässlich zur Uraufführung "In Schrebers Garten" aus seinen "Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken". Dazu Texte von Benn, Brecht, Celan, Freud, Hölderlin, Kafka und Nelly Sachs.

Leitung: Kai Tuchmann; Bühne: Stella Kasparek; Kostüme: Kristopher Kempf

Mit: Max De Nil


Lesung aus Klaas Huizings Roman

14. März 2011, 19.30 Uhr, Landesvertretung Saarland in Berlin

Als Dr. jur. Daniel Paul Schreber 1903 seine "Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken" veröffentlichte, entwickelte Sigmund Freud 1910 daraus seine Paranoia-Theorie wonach Paranoiker an der Bewältigung ihrer unbewussten Homosexualität scheitern. Freud Aussage "Ich liebe ihn ja nicht - ich hasse ihn ja - weil er mich verfolgt" wurde zum zentralen Lehrsatz der psychoanalytischen Behandlung des Verfolgungswahns. Der Fall und seine Deutungen geben auch 100 Jahre später immer wieder neue Rätsel auf, er verfolgt uns immer noch. Nach der Lesung besteht die Möglichkeit zur Diskussion.

Mit: Maria Brendel

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