03.06.2017

von Stiftung Warentest B° RB

Auto­kinder­sitz Mifold

Stiftung Warentest. Auto­kinder­sitz Mifold: Kannste knicken

Mifold Grab-and-Go. Praktischer Klapp­sitz, kaum Sicher­heits­gewinn

"Der fort­schritt­lichste und kompakteste Kinder­sitz aller Zeiten", das behauptet der Anbieter Mifold über seinen Kinder­sitz Grab-and-Go (Preis: 70 Euro). Kompakt ist das außergewöhnliche Modell zum Zusammenfalten tatsäch­lich – und zudem offiziell für Kinder von vier bis 12 Jahre zugelassen. Wir prüften ihn daher nach unseren Maßstäben für Auto­kinder­sitze und mussten fest­stellten: Beim Unfall schützt dieser Sitz das Kind nahezu gar nicht.

Kompakt aber unsicher

Sogar ausgeklappt und ausgezogen ist der Mifold nicht sehr groß. Und wirk­lich bequem sitzt das Kind auch nicht.

Der kleine Sitz besteht nur aus einem zusammenklapp­baren Sitzkissen mit seitlich auszieh­baren Schienen für den Beckengurt sowie einer Rückensch­laufe mit Schnalle für den Schultergurt. Der Grab-and-Go kostet 70 Euro und soll laut Hersteller genauso sicher sein wie ein herkömm­licher Auto­kinder­sitz. Doch in unserem Test zeigt sich: Er bietet kaum Sicherheit. Wie schon auf den ersten Blick zu erkennen, schützt er das Kind seitlich gar nicht. Und auch bei einem frontalen Aufprall schneidet der Auto­gurt stark in den Bauch ein. Organe und Becken des Kindes sind dann gefährdet. Daher fiel der Mifold Grab-and-Go bei uns klar durch.

Gute Auto­kinder­sitze finden

Doch im aktuellen Test von Auto­kinder­sitzen gab es auch zahlreiche positive Über­raschungen. Unser Produktfinder Autokindersitze zeigt alle 403 bisher von der Stiftung Warentest geprüften Modelle: 8 davon sind sehr gut und 226 gut – aber immerhin 48 nur mangelhaft.

Trotzdem offiziell zugelassen

Auch wenn er bei uns im Test durch­gefallen ist: Die Prüfungen für die europäische Sicher­heits­norm ECE-R 44 hat der Mifold-Sitz geschafft – damit ist er als Auto­kinder­sitz für 4- bis 12-jährige zugelassen. Im Fall einer Polizei­kontrolle entfällt damit das Bußgeld für den nicht vorschrifts­gemäßen Trans­port des Kindes. Die Norm R 44 verlangt allerdings keinen Seiten­aufprall-Test. Beim Frontalcrash schützt der Mifold gerade noch ausreichend für die Norm.

Unzu­reichende Gurtführung

In Deutsch­land müssen Kinder bis zum zwölften Lebens­jahr im Auto­kinder­sitz sitzen. Bis dahin ist ihr Becken noch nicht voll­ständig ausgereift. Ein guter Kinder­sitz führt den Auto­gurt so, dass er nicht am Hals und Bauch einschneidet. Der Mifold Grab-and-Go hält den Schultergurt jedoch nicht in der richtigen Position. Weil sich die – auszieh­baren – Gurtführungen von selbst verschieben können, schnürt der Beckengurt mitunter schon während der Fahrt die Beine des Kindes unangenehm ein, wenn sich die Führung verkürzt. Viel gravierendere Folgen hat die unzu­reichende Gurtführung aber bei einem Frontal­aufprall: Dann schneidet der Gurt in den Bauch des Kindes ein und kann Organe und Becken schwer schädigen.

Seitlich gar kein Schutz

Beim Seiten­crash bietet das hand­liche Modell von Mifold dem Kind gar keinen zusätzlichen Schutz: Letzteres ist genauso schlecht gesichert wie ganz ohne Sitz. Bei guten Auto­kinder­sitzen schützt eine Rückenlehne mit seitlichen Pols­terungen den Kopf des Kindes davor, gegen die Auto­scheibe zu stoßen. Beim Seiten­aufprall-Test mit dem Grab-and-Go knallte der Kopf des Prüfdummies dagegen ungebremst auf die Scheibe. Im wirk­lichen Leben würde sich ein Kind dabei ernst­haft verletzen oder gar sterben. Der Mifold ist damit ähnlich unsicher wie andere Sitz­erhöhungen (Booster): Er bietet keinen ausreichenden Schutz beim Seiten­aufprall. Dasselbe trifft auf Kinder­sitze mit abnehm­barer Rückenlehne zu. Ohne die Lehne verlieren auch sie ihre Schutz­funk­tion beim Seiten­aufprall.

Dazu noch fummelig und unbe­quem

Außerdem ist beim Grab-and-Go die Gefahr groß, dass Eltern den Sitz falsch einbauen. Eine Anleitung wird zwar mitgeliefert, völlig selbst­erklärend ist der Einbau des Mifold jedoch nicht. So dachten einige unsere Testnutzer, man müsse die Sitz­auflage so ausklappen, dass sie ungefähr einen 90-Grad-Winkel bildet und der obere Teil sich an die Rückenlehne schmiegt. Sie muss aber ganz flach auf der Sitz­fläche aufliegen. Zudem ist es nicht ganz leicht, den Auto­gurt durch die seitlich auszieh­baren Gurtführungs­schienen einzufädeln. Auch das Anschnallen ist etwas fummelig. Da es sich nur um eine dünne Auflage handelt und nicht um eine wirk­liche Sitz­erhöhung, kann es passieren, dass der „Sitz“ verrutscht, wenn das Kind erst einmal darauf Platz genommen hat. Zudem ist der Grab-and-Go hart gepols­tert – bequem sitzt das Kind also nicht.

Fazit: Inno­vativ, aber unsicher

Inno­vativ ist der Grab-and-Go von Mifold, dennoch müssen wir von ihm abraten. Kinder sitzen darauf nicht sicher, wenn es zum Unfall kommt – das gilt sowohl für frontale als auch seitliche Zusammen­stöße. Der Sitz eignet sich also noch nicht einmal als Notsitz, wenn spontan noch ein zusätzliches Kind im Auto mitfahren soll – es sei denn, der Fahrer möchte sich das Bußgeld sparen. Doch ans Sparen sollten Eltern beim Kauf von Kinder­sitzen nicht als Erstes denken. Der Preis dafür ist zu hoch: die Sicherheit ihrer Kinder.

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