Stadtmauer Schweinfurt

Unterer Wall mit Pulvertürmen

Am Beispiel der Schweinfurter Stadtmauer lassen sich die erfolgreichen Bemühungen der Stadt ablesen, die historischen und gleichzeitig für die touristische Entwicklung wertvollen Viertel neu zu beleben.

Gut die Hälfte des historischen Stadtkerns sind nach wie vor von der Stadtbefestigung umschlossen. Ausgehend von der Kunsthalle, dem ehemaligen Ernst-Sachs-Bad, begrenzt die Stadtmauer den Chateaudun-Park am Theater vorbei, zieht sich in einem Bogen Richtung Nordosten und wird Teil der nördlichen Häuserzeile der Neuen Gasse. Ein restaurierter Fußgängerdurchgang führt von hier in Fichtels Garten.

Östlich des Kornmarktes findet sich im Bereich des Motherwellparks der runde Samtturm, von wo aus die alte Stadtmauer in fast direkter Linie zur Mainlände führt, zunächst als Oberer Wall mit dem neu aufgebauten Jägersturm, dem Weißen und dem Wiesenhüterturm, schließlich, nach dem Mühltor, als Unterer Wall mit den dekorativen Pulvertürmen, dem attraktivsten Teilstück der gelungenen Wiederbelebung des Schweinfurter Mittelalters. Hier ist deutlich noch die Wallanlage mit Graben und Vormauer zur Sicherung der Stadt  erkennbar.

Der "Weiße Turm" trägt seinen Namen von einer ehemaligen mit Blei besetzten Turmabdeckung. Erbaut vermutlich bereits Anfang des 15. Jahrhunderts, jedoch beim sog. "2. Stadtverderben im Markgräfler Krieg" zerstört und  1563/1564 größtenteils wieder hergestellt.  Am Fuße des Turmes konnte, nach Freilegung bei den Restaurierungsarbeiten, ein unterirdisches Gangsystem gefunden werden, welches sich bis zur Krummen Gasse im Stadtteil Zürch (althochdeutsch: Viehweide) zieht.

Außerhalb der Stadtmauer befinden sich auf der ganzen Länge gepflegte Parkanlagen mit altem Baumbestand, Spazierwegen, Ruhe- und Spielplätzen. Am nordöstlichen Eck ist außerhalb der Mauer eine Schanze erhalten, in deren Graben der Philosophengang entlangführt. Die 1564 errichtete Stadtmauer ist somit ein kleines Naherholungszentrum für die Stadtbewohner Schweinfurts.

Im Bereich des Unteren Walls wird alljährlich ein mittelalterliches Stadtfest veranstaltet. Im nördlichen Pulverturm wurde eine Zeitlang eine kleine Weinstube betrieben. Unter der Brücke des Paul-Rummert-Ringes befindet sich eine großzügige Skateranlage und ein Bouleplatz. In diesem Bereich treffen sich auch die Kletterer, um am höchsten Teil der Stadtmauer zu üben. Ende 2010 wurde schließlich im Zuge der Neugestaltung der Mainlände ein attraktiver Durchgang vom Unteren Wall zum Main geschaffen.

Mit seiner Schauseite am Unteren Wall bildet die Stadtmauer eine einladende Visitenkarte für Besucher der Stadt und macht neugierig, mehr über die Historie Schweinfurts zu erfahren.

Teilen: