Der Schrotturm

Zwischen Judengasse und Spitalstraße liegt das Wahrzeichen der südlichen Altstadt Schweinfurts, der Schrotturm.
Er war prägend für das Stadtbild der ehemaligen Reichsstadt und wurde erbaut durch Balthasar Rüffer III. (1569-1637), als Treppenturm eines Renaissance-Hauses.
Aus einer Inschrift in einem Türgewand  lässt sich die Entstehungszeit auf die Jahre 1611 bis 1614 eingrenzen. Allerdings wurden bei vergangenen Sanierungsmaßnahmen festgestellt, dass Rüffer, hier wohl ebenso bereits vorhandene Bausubstanz nutzte, der Grundstock des Turmes wohl noch älteren Datums ist.

Betrachtet man die Architektur des Schrotturms, so geht man davon aus, dass der ursprünglich viergeschossige, über einen achteckigen Grundriss gebaute Turm, im Winkel eines zweiflügeligen Gebäudes als Wendeltreppenturm errichtet war.

Seinen Namen erhielt der bis zu dieser Zeit Rüffersturm genannte erste Industrieturm Schweinfurts durch seine spätere Nutzung, denn seit 1818 wurden darin Schrotkugeln produziert.
Hierbei wurde geschmolzenes Blei durch ein Sieb gegossen, welches von einer Höhe von 150 Fuß herab fällt und dadurch seine runde Form annimmt, um dann im Wasser aufgefangen und ausgekühlt zu werden. Um auf die benötige Fallhöhe zu kommen, stockte der Fabrikant Johann Christian Voigt das Gebäude Anfang des 19. Jahrhunderts um drei Geschosse auf.

Die heute sichtbare "welsche Haube" bildet den Abschluss des Turmes.
Die Kuppelhaube zeigte den damaligen Zeitgenossen die Abgrenzung der politisch und religiös unabhängigen Stadt Schweinfurt zum katholisch geprägten Umland. Nach 1554, dem zweiten großen "Stadtverderben" versah man alle in Schweinfurt wieder erstellten Türme mit einer derartigen Kuppelhaube.

Durch die Luftangriffe im letzten Weltkrieg wurden der Turm und die dazu gehörigen Gebäude schwer in Mitleidenschaft gezogen. Erst der Kauf des Denkmals durch die Stadt Schweinfurt 1978 machte eine Instandsetzung des Schrotturms möglich.

Betritt man den Schrotturm durch den bildhauerisch aufwendigen Torbogen im Renaissancestil sollte man die schwere Türe mit den ausgestochenen Beschlägen beachten.

An den Innenwänden des Wendelturmes lassen sich noch Original-Fresken aus der Entstehungszeit finden.  Zwei Inschriften zeugen vom Entstehungsjahr 1614 und auch der Baumeister Rüffer tat seinen Leitspruch hier kund: "SOLI DEO GLORIA" (Einzig zur Ehre Gottes). Zu finden sind diese in der gemalten Türeinfassung im zweiten Stock und beim Supraporte im selben Geschoss. Weitere Fresken und Inschriften sind leider unter mehreren Farbanstrichen verborgen und noch nicht freigelegt. Sie stellen jedoch bereits jetzt eine kulturgeschichtliche Rarität dar.

Führungen und Besichtigungen des Schrotturms können über die Touristinformation Schweinfurt gebucht werden.

Kontakt:
Tourist-Information 360°
Markt 1
97421 Schweinfurt
Tel:  09721 / 51 3600
Fax: 09721 / 51 3601




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