Kunsthalle im Ernst-Sachs-Bad

Das von dem Schweinfurter Industriellen Ernst Sachs (1867-1932) den Bürgern seiner Heimatstadt geschenkte und in den Jahren 1931/33 nach Plänen von Roderich Fick erbaute Hallenbad bildet mit seiner bemerkenswerten, neusachlichen Architektur und seinem großzügigen Raumzuschnitt ein ideales Gebäude für die neue Kunsthalle Schweinfurt. Das einstige Hallenbad will als neue Kunsthalle wieder das Interesse einer breiten Öffentlichkeit wecken. Bereits im November 1930 hat der Architekt es ausdrücklich nicht als Kritik aufgefasst, als man seinen Plänen vorwarf, "...die Sache sähe halt eigentlich nicht wie ein Hallenschwimmbad aus, sondern mehr wie eine Festhalle, in der auch Kunstausstellungen stattfänden." Das Haus liegt zentral unmittelbar am westlichen Rand der Altstadt. Im Zusammenwirken mit dem Theater der Stadt entsteht somit ein attraktiver kultureller Anziehungspunkt.

Neben den bereits bestehenden kulturgeschichtlichen Museen im Alten Gymnasium und im Gunnar-Wester-Haus sowie insbesondere dem Museum Georg Schäfer und dem Museum Otto Schäfer wird Schweinfurt durch die neue Kunsthalle als Museumsstandort von nationalem Anspruch gestärkt. Die Stadt vollzieht mit dieser Maßnahme einen weiteren Schritt in ihrem historischen Wandel von einem reinen Industriestandort hin zu einer Stadt der Vielfältigkeit und breiten Chancen. Dabei sind Industrie und Kunst in der Zukunftsstadt Schweinfurt zwei Gesichter einer Stadt, die sich gegenseitig bedingen und fördern.

In der Kunsthalle Schweinfurt sind seit Mai 2009 unter dem organisatorischen Dach der "Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt" die ständige Sammlung "Diskurse – Deutsche Kunst nach 1945", die Dauerleihgaben der Sammlung Joseph Hierling mit Werken des expressiven Realismus zur Kunst zwischen den beiden Weltkriegen und die Aktivitäten des Kunstvereins Schweinfurt e.V. auf rund 2.000 Quadratmetern zusammengefasst.

Wechselausstellungen finden in der großen Halle im Erdgeschoss und im Untergeschoss statt. Insbesondere der großartige Ausstellungsraum in der ehemaligen Schwimmhalle mit seiner beeindruckenden Hängefläche kann aber auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Im Eröffnungsjahr waren dort unter dem Titel „Farbe, Furcht und Engel" Werke des Malers Franz Hitzler aus München (ab 19. Juni) zu sehen, eine Ausstellung mit dem Titel "20 Jahre Deutsche Einheit 1989-2009" (ab 4. Oktober) und erstmals die Triennale Schweinfurt im Untergeschoss unter dem Motto "Fokus Franken" (ab 13. November).

Diskurse – Deutsche Kunst nach ´45
Der Kernbestand der Kunsthalle Schweinfurt zeigt unter dem Titel "Diskurse – Deutsche Kunst nach 1945", dass man sich dort den nationalen Strömungen der zeitgenössischen Kunst auch zukünftig widmen will. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang beispielsweise die Gruppe "ZEN 49" sowie die Künstler um "Spur", "Wir" und "Geflecht". Schon im Foyer wird das Angebot zum Diskurs mit repräsentativen Arbeiten von Rupprecht Geiger, Richard Mühlemeier, Angelika Summa, Sigrid Kopfermann, Oskar Koller sowie Georg Meistermann eröffnet, die sich alle mit dem Thema Landschaft auf ihre ganz spezifische Weise auseinander gesetzt haben. Da die Kunstgeschichte bekanntlich vielschichtig ist, will das Angebot in den Ausstellungsräumen dem Betrachter die Gelegenheit geben, zwischen den unterschiedlichsten Kunstäußerungen des 20. und 21. Jahrhunderts Vergleiche zu ziehen. So bietet sich an anderer Stelle der Dialog von figürlicher und abstrahierender Betrachtung des Menschenbildes mit Arbeiten von Lothar Fischer, Florian Köhler oder Herbert Nauderer. Wesentlicher Aspekt der ständigen Sammlung im Erdgeschoss ist ebenso die Auseinandersetzung mit dem qualitätvollen Kunstschaffen aus der Region.

Sammlung Joseph Hierling
Eine prägende Rolle im Konzept des Hauses spielen die Dauerleihgaben der Sammlung Joseph Hierling im Untergeschoss mit ihrem eigenständigen Blick auf die Kunst des expressiven Realismus. Joseph Hierling hat seit Jahrzehnten eine hervorragende Sammlung zur Kunst des Expressiven Realismus zusammengetragen. Diese vom Expressionismus angeregten Künstler kamen als Jugendliche in die Hölle des Ersten Weltkrieges. Während der Diktatur des Nationalsozialismus wurden sie ins Abseits gedrängt und verfemt, manche emigrierten, viele erhielten in Deutschland Ausstellungsverbot. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Kunst der inzwischen Fünfzigjährigen bald in den Schatten ungegenständlicher Strömungen und jüngerer Künstler. Erst verspätet entdeckte die Kunstgeschichte diese Maler der "Verschollenen Generation", zu der man Künstler wie Albert Birkle, Wilhelm Kohlhoff, Julius W. Schülein, Ernst Stadelmann, Alfred Wais, Käthe Loewenthal und viele mehr zählt. Mit der Übernahme der rund 350 Gemälde umfassenden Sammlung Joseph Hierling zunächst als Dauerleihgabe bietet sich die Möglichkeit, mit einem Schlag ein wichtiges Kapitel der deutschen Malerei zwischen den beiden Weltkriegen an hervorragenden Beispielen zeigen zu können. Zukünftig werden aus diesem reichen Fundus auch jährliche Wechselausstellungen konzipiert.

Atelier unter den Arkaden
Der Schweinfurter Museums-Service MuSe, die zentrale Service-Stelle für die Vermittlung in den Museen und Galerien, erhält sein neues Domizil im unteren Bereich des Arkadenbaus. Das Herzstück darin ist die Kunstwerkstatt. Ausgehend von der Begegnung mit den Originalen werden die Besucher in einem lebendigen Zusammenspiel von Informationsvermittlung, Gespräch und Eigeninitiative an künstlerische Konzepte, Techniken, Ausdrucksformen und Inhalte herangeführt. Ziel des Museums-Service ist die pädagogische Begleitung der Museumsarbeit durch Angebote für unterschiedlichste Zielgruppen vom Kindergartenalter bis zu Senioren, von Zuwanderern bis zu Menschen mit Behinderungen.

 

Kunsthalle Schweinfurt im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad
Rüfferstraße 4
97421 Schweinfurt
Fon: 09721 - 51479
Fax: 09721 - 51320
E-Mail: info(at)kunsthalle-schweinfurt.de
www.kunsthalle-schweinfurt.de

Öffnungszeiten:
Täglich: 10:00 bis 17:00 Uhr, Donnerstag: 10:00 bis 21:00 Uhr
Montags geschlossen

Eintrittspreise:
Erwachsene:  3,50 € (4,50 € bei kostenintensiven Sonderausstellungen)
Familien:        6,00 €
Kinder:          Frei (bis zum vollendeten 16. Lebensjahr)
Ermäßigt:       2,50 € (Gruppen ab 10 Personen, Schwerbehinderte, Studenten, Wehr- und Zivildienstleistende)

Führungen:
Rundgang/Führung (60 Min., Erwachsene zzgl. ermäßigter Eintrittspreis)    30,00 €
Rundgang/Führung (90 Min., Erwachsene zzgl. ermäßigter Eintrittspreis)    45,00 €
Führungen für Schulklassen pro Kind 1,00 €, mindestens                            20,00 €

Kataloge erscheinen zur Sammlung Joseph Hierling sowie zu "Diskurse – Deutsche Kunst nach ´45".

Die Kunsthalle Schweinfurt wurde großzügig aus Mitteln der EU, des Freistaats Bayern, der Bayerischen Landesstiftung, des Bezirks Unterfranken und der Landesstelle für die Nichtstaatlichen Museen in Bayern gefördert.

Teilen: